WEITERBILDUNGSREIHE: KINDER, DIE AUS DEM RAHMEN FALLEN

ENTWICKLUNGSBESONDERHEITEN, ÄNGSTE UND KRISEN IM KINDESALTER

Beiträge zum besseren Verständnis der Kinder, die „aus dem Rahmen fallen“

Weiterbildung für Inklusionsaufgaben mit Henning Köhler

In dieser Weiterbildungsreihe nähern wir uns zahlreichen Aspekten der Kindheit aus anthroposophischer und kritisch-erziehungswissenschaftlicher Sicht. Dabei schauen wir insbesondere auf Kinder, die aus dem Rahmen fallen (so genannte „Problemkinder“). Der Dozent Henning Köhler begleitet in dieser bewährten Fortbildungsreihe schon seit vielen Jahren Ausübende und Studierende pädagogischer, psychosozialer und therapeutischer Berufe sowie Eltern und generell pädagogisch Interessierte.

Anmeldung und Information

Waldorfkindergarten e.V. Erlangen | Noetherstraße 2 | 91058 Erlangen
Tel 09131-67455 | Mail fortbildung@waldorfkindergarten-erlangen.de

Flyer zur Weiterbildungsreihe zum Download

 

 

Rahmendaten

Veranstalter: Waldorfkindergarten e.V. Erlangen

Veranstaltungsort: Waldorfkindergarten e.V. Erlangen, Noetherstr. 2, 91058 Erlangen

Beginn: 29.November 2019

Dauer: 8 Wochenenden verteilt auf 2 Jahre | Der Kurs umfasst 130 Ustd. | Eine Teilnahme an einzelnen Wochenenden ist mit vorheriger Anmeldung möglich.

Zertifikat: Nach Abschluss erhalten die Teilnehmenden ein seminareigenes Zertifikat des Janusz-Korczak-Instituts und des Waldorfkindergartens e.V. Erlangen als Weiterbildung für Inklusionsaufgaben.

Kurszeiten für die Module:

  • Fr. 17–20:30 Uhr
  • Sa. 9–19:15 Uhr
  • So. 9–12:30 Uhr

Kosten: für die gesamte Weiterbildungsreihe: 1.440 Euro, entsprechend 180 Euro/Modul | Gasthörer: 210 Euro/Modul

Zahlungsmodalitäten: Es gibt die Möglichkeit, bei Buchung aller Module 72 Euro monatlich gestaffelt auf 20 Monate zu zahlen, bzw. modulweise 180 Euro. Gesamtbetrag 1440 Euro.
Abweichende Vereinbarungen können mit dem Veranstalter getroffen werden.

Die acht Module im Überblick

29. November-1. Dezember 2019

Modul 1 - Elemente einer spirituellen Entwicklungspsychologie

Die spirituelle Entwicklungspsychologie unterscheidet sich von den gängigen Konzepten, deren Bedeutung nicht geschmälert werden soll, u.a. darin, dass sie dem heranwachsenden Menschen eine entwicklungsleitende innere Führung zuerkennt. Das Kind wird nicht nur, ja nicht einmal in erster Linie als ein Resultat genetischer Prädispositionen und Umwelteinflüssen betrachtet. Das hat Konsequenzen für die pädagogische Grundhaltung.

Veränderungen im Raum der Kindheit. / Inkarnation und Individuation. / Der dritte Faktor zwischen Vererbung und Umwelt. / Grundgesten des Ich. / Das höhere Selbst, oder: Wir bleiben zeitlebens Ungeborene. / Die Bewusstseinsverfassung des Kindes in verschiedenen Entwicklungsphasen. / Autonomie und Sozialfähigkeit. / Entwicklungskrisen als Anzeichen der Veränderung des Zur-Welt-Seins. / Stufe der Daseinsvergewisserung. / Ursache Zukunft. / „Aufwachsen“ und „Herunterwachsen“. / Die Antiquiertheit streng phasenorientierter Entwicklungsmodelle.

 

7.-9. Februar 2020

Modul 2 – Frühe Kindheit

Die frühe Kindheit wird vor allem als „Inkarnations“- und „Individuationsprozess“ betrachtet, unter besonderer Berücksichtigung der erstaunlichen Potentiale, welche hier wirksam werden, und zwar am besten dann, wenn man so weit wie möglich davon absieht, die Kinder „erziehen“ zu wollen. Ihre Freiheit sollte uns von Anfang an heilig sein. Im Grunde genommen haben wir keine andere Aufgabe, als den kleinen Kindern bei ihrem Selbsterziehungswerk zu assistieren.

Die Begleitung des kleinen Kindes aus heilpädagogischer und medizinischer Sicht. / „Das Erscheinen der Einzigkeit.“ (Martin Buber). / Wer oder was sieht dich an, wenn dich ein Neugeborenes ansieht? / Die Verdienste Emmi Picklers. / Kleinkindpädagogik als salutogenetische Pädagogik. / Grundgesten der ersten sieben Lebensjahre. / Früherkennung und Frühförderung – ohne Fehlerfahndungsbrille, ohne Korrektur-Aktionismus.

 

8.-10. Mai 2020

Modul 3 – Pädagogische Sinneslehre (I)

Die Entwicklung der basalen Sinne, etwas unscharf auch „Körpersinne“ genannt (Lebenssinn, Tastsinn, Bewegungssinn, Gleichgewichtssinn), ist heute stark gefährdet. Was Sinnespflege bedeutet, wird oft zu kurz gedacht, weil man die seelisch-geistige Dimension zu wenig im Auge hat.

Die basalen Sinne, auch Leibsinne genannt. / Ihre Gefährdung in den heutigen Zeitverhältnissen. / Der autorezeptive, der kommunikative und der spirituelle Aspekt. / Warum Sinnespflege immer auch Seelenpflege und Beziehungspflege ist. / Typische Desorientierungszustände infolge zivilisationsbedingter Defizite der basalen Sinnesreifung. / Hilfestellungen zur Nachreifung. / Die Bedeutung des Schlafes. / Kinder brauchen „Orte zum Verweilen“ (Marc Augé) / Aktivität und Stille. / Nähe und Distanz. / Der autonome Bewegungsraum. / Statt taktile und sensomotorische Integration zu „trainieren“, sollten wir den Kindern besser eine Umgebung schaffen, in der sie das selbst spielerisch erledigen können.

 

3.-5. Juli 2020

Modul 4 – Pädagogische Sinneslehre (II)

Wir werfen einen Blick auf die „mittleren“ Sinne (Geschmacks-, Geruchs-, Seh- und Temperatursinn) und wenden uns dann den „höheren“ Sinnen (Hörsinn, Sprachsinn, Denksinn, Ich-Sinn) zu, um ihre Beziehungen zu den basalen Sinnen (siehe Modul 3) zu beleuchten. Vieles Überraschende tritt dabei zutage.

Der Zusammenhang zwischen den Basalsinnen und den „höheren“, Du-zugewandten Sinnen. / Interesse am anderen Menschen. / Drei Vertiefungsstufen des Lauschens: seelisch mitschwingende Hingabe an das gesprochene Wort, Bedeutung-Fühlen, unmittelbare Wahrnehmung der Präsenz des Anderen als geistiges Ich. / Diese Fähigkeiten sind im Säuglingsalter als leibfreie (übersinnliche) Fähigkeiten vorhanden, dann „erden“ sie sich sukzessive, verschmelzen gewissermaßen mit den Leibsinnen, wodurch sich deren Charakter verändert. / Warum das Kind die „Sphäre der Urkommunikation“ (Georg Kühlewind) verlassen muss, um aktive Empathie (im Unterschied zu unwillkürlichen) auszubilden.

 

9.-11. Oktober 2020

Modul 5 – Die Pubertät im Licht der frühen Kindheit

Das Modul gibt Gelegenheit, den Blick über die Kleinkindzeit hinaus zu weiten. Es regt außerdem dazu an, sich erinnernd mit sich selbst auseinanderzusetzen, denn die Jugendjahre haben uns alle stark geprägt. Ferner leuchtet in der Pubertät, v.a. im Prolog zur Pubertät, noch einmal die frühe Kindheit auf. Ein menschenkundlich sehr aufschlussreiches Thema.

Abschied von der Kindheit – ein langer, steiniger Weg. / Wenn die alten Spiele nicht mehr die alten Spiele sind: Prolog der Pubertät. / „Bitte nicht stören, wegen Umbauarbeiten vorübergehend geschlossen.“ / Sturz aus der Wesenswelt in die Dingwelt. / Verfeindung mit der Heimat. / Vom Spiel zur Kreativität. / Das Malheur mit dem Leib. / Die vierfache Identitätsfrage. / Pubertätstypische Ängste. / Geburt des eigenen (inneren) Universums. Nun gilt: Der Andere ist im radikalsten Sinne ein Anderer. Ich kenne ihn nicht. Er kennt mich nicht. Liebe heißt, dass zwei Einsame ihre Einsamkeit teilen. / Sucht und Sehnsucht. / Eros und Sexus. / Der Drang nach Grenzerfahrungen. / Erhöhte Zivilisationsrisiken. / Kernpunkte einer zeitgemäßen Jugendpädagogik.

 

22.-24. Januar 2020

Modul 6 – Das AD(H)S-Konstrukt

Neben Autismus ist AD(H)S die bei Kindern am häufigsten gestellte Diagnose, zunehmend auch schon im Kleinkindalter. Meist führt das zu einer Behandlung mit Psychopharmaka. Hier gibt es viele Ungereimtheiten. Immer mehr Forscher bezweifeln, ob es AD(H)S – angeblich eine genetisch bedingte Hirnstoffwechselstörung – überhaupt gibt. In dem Modul wird eine auf profunder Erfahrung beruhende, grundlegend andere Sichtweise angeboten.

„Eine Generation wird krankgeschrieben.“ (Richard de Grandpre) Waren Astrid Lindgrens Michel aus Lönneberga und Michael Endes Momo aufmerksamkeitsgestört? Hätte sie Psychopillen gebraucht? Was heißt überhaupt Aufmerksamkeit? Keines der Leitsymptome des sog. Aufmerksamkeits-Defizit-(Hyperaktivitäts-)Syndroms deutet per se auf etwas Krankhaftes. / Die Fadenscheinigkeit des gängigen Deutungsmusters. / Anmerkungen zum Gehirn-Geist-Problem. / Wachsende Kritik in der wissenschaftlichen Welt. / Wie stromlinienförmig muss ein Kind überhaupt sein, um nicht unter AD(H)S-Verdacht zu geraten? / Plädoyer für eine strikt einzelfallbezogene Diagnostik. / Erkenntniskritische Anmerkungen zum Diagnose-Begriff. / Die Vorzüge einer voraussetzungslosen, phänomenologischen Betrachtungsweise. / Pädagogische Konsequenzen. / Alternativen zur Stimulanzien-gestützten Verhaltenstherapie. / Rückblende zum Thema „gesellschaftlich diskriminierte Begabungsprofile“. / Manchmal lautet der beste Therapievorschlag: In Ruhe lassen!

 

5.-7. März 2021

Modul 7 – Aggressive Verhaltensauffälligkeiten

Woran kann es liegen, wenn Kinder zu Gewalt und destruktivem Verhalten neigen? Allzu schnell sind wir darüber moralisch entrüstet, aber das führt zu nichts, denn hinter solchen Auffälligkeiten verbirgt sich immer eine Not, und die muss man erkennen lernen. Fast immer hat Gewalttätigkeit etwas mit Angst oder Enttäuschung zu tun.

Klärung des Aggressionsbegriffs. / Wenn Kinder und Jugendliche gewalttätig werden, steckt eine tiefe Verunsicherung dahinter. / Hat die Gewalt wirklich zugenommen? / Destruktives Sozialverhalten ist immer auch selbstquälerisches Verhalten. / Die nachahmungsbereite Hingeneigtheit des Kindes zum Guten als Mitgift aus der geistigen Welt. / Das „Bösewerden“ aus Enttäuschung oder Frustration darf nicht verwechselt werden mit dem spielerischen Ausprobieren der Gewaltoptionen. / Milieueinflüsse. / Wie entsteht Sozialvertrauen als Voraussetzung für Sozialkompetenz? / Anmerkungen zum Thema Mobbing. / Buben und Mädchen. / Rückblende zum Pubertäts-Modul: Falsche gesellschaftliche Leitbilder und mangelnde Resonanz der Mitwelt auf heraufdrängende idealische Impulse. / Gewalt, nicht einmal Zerstörung ist grundsätzlich schlecht, auf den Kontext kommt es an. / Wo Kunst nicht aufleben darf, bricht der Zerstörungsdrang durch. / Interesse am anderen Menschen. / Pädagogische und therapeutische Richtlinien.


25.-27. Juli 2021

Modul 8 – Kinderängste

Angst ist an sich nichts Schlechtes. Ohne sie wären wir verloren. Ohne Angst gäbe es keinen Mut. Man muss die Ängste der Kinder ernst nehmen. Sie können an ihnen wachsen. Dies in der richtigen Weise pädagogisch zu begleiten, ist sehr wichtig. Die kindliche Entwicklung lässt sich als eine Art Einweihungsweg durch Angstprüfungen beschreiben. Das Modul lässt uns noch einmal von den frühen Jahren auf die weiteren Entwicklungsphasen des Kindes schauen. 

Angst als Teil der Condition Humaine. / „In der Geistlosigkeit gibt es keine Angst.“ (Sören Kierkegaard) / Das Angstparadoxon: Angst vor der Angst führt zu beängstigenden Angst-Abwehr-Strukturen, auch und gerade im pädagogischen Raum. / Angst als hilfreicher Begleiter, Angst als Lebenshindernis. / Unterscheidungen: Angst vor realen Gefahren oder infolge tief verunsichernder Erlebnisse; scheinbar irrationale Ängste; „das angestimmte Weltverhältnis“ (Alois Hicklin); Angst vor Selbstverfehlung; altruistische Angst; Angst als Ausdruck überstarker (unwillkürlicher) Empathie. / Schulangst, Schulphobie. / Rückblende zum Modul „Elemente einer spirituellen Entwicklungspsychologie“: Stufen der Daseins-Vergewisserung. / Angst und Sensitivität. / Angst und Kreativität. / Angstverwandlung statt Angstbekämpfung. / Pädagogische und therapeutische Richtlinien.

 

Die Gestaltung der jeweiligen Module umfasst immer einen theoretischen sowie einen künstlerischen Teil.