PÄDAGOGISCHES KONZEPT

In den ersten sieben Lebensjahren des Kindes sind an die angewandte Waldorfpädagogik unterschiedliche Anforderungen gestellt. Den entwicklungsbedingten Bedürfnissen tragen wir Rechnung und entsprechen ebenso den Vorgaben des Bayerischen Kinderbildungs- und –betreuungsgesetzes. Die detaillierte Pädagogische Konzeption für Kindergarten und Krippe stehen als Download zur Verfügung. Was ist angewandte Waldorfpädagogik? Wie sieht der Tagesablauf des Kindes in unserem Kindergarten aus? Worauf legen wir Wert und worauf verzichten wir? Begleiten Sie uns durch das pädagogische Konzept unseres Hauses und erfahren Sie mehr!

Tages- und Wochenablauf

Der besonderen Bedeutung von Rhythmus und Wiederholung in den ersten sieben Lebensjahren wird in den stets klar strukturieren Abläufen eines jeden Kindergartentages Rechnung getragen. Über den Tagesrhythmus hinaus erleben die Kinder den Rhythmus der Woche und des Jahres. Die rhythmische Wiederholung gibt Sicherheit und Geborgenheit; sie nährt die Kräfte der Kinder, die sie zum gesunden Lernen benötigen. Diesem Prinzip folgend ist jedem Wochentag ein bestimmtes Frühstück (z.B. montags Brötchen, dienstags Grütze), das gemeinsam zubereitet und eingenommen wird, und eine besondere künstlerische Tätigkeit (zum Beispiel Aquarellmalen, Bienenwachskneten oder Eurythmie) zugeordnet. Aber auch Freispiel, Stuhlkreis, Reigen und Geschichten folgen dem Prinzip der rhythmischen Wiederholung, welches den Kindern eine Orientierung im zeitlichen Raum ermöglicht. In harmonischem Wechsel durchlebt das Kind am Kindergartenvormittag freilassende und geführte Tätigkeiten, ein rhythmischer Prozess wie das Ein- und Ausatmen. Der Vormittag endet in einem ebenfalls gemeinsam eingenommenen Mittagessen, das vegetarisch in Bio- und zumeist Demeter-Qualität dargereicht wird. Es folgt nach Gruppen verteilt eine Mittagsruhe oder –schlaf, eine Spielzeit drinnen und draußen, intensivierende Arbeiten, Geschichten oder Fingerspiele sowie ein weiterer Imbiss.

Jahreslauf und Jahreszeitenfeste

Der Jahresrhythmus ist für die Kinder ein wichtiges Element in ihrem Leben, den sie alters- und entwicklungsgemäß erfahren dürfen. Der Jahreszeitentisch und auch die täglichen Arbeiten verdeutlichen die jeweilige Jahreszeit. Besonders wichtig im Jahreslauf sind die Vorbereitung und das Feiern traditionell christlicher Feste wie beispielsweise in der Weihnachts- und Osterzeit. Auch alte Bräuche wie Michaeli oder das Sonnwendfeuer am Johannitag werden gepflegt. Die Feste werden mit entsprechenden Liedern, Geschichten, Reigen und Tischpuppenspielen gestaltet und intensivieren das Erleben der Jahreszeiten, die sie auch in und mit der Natur erleben. Die Kinder bekommen auf diese Weise Bilder für das Gute, Schöne und Wahre im Menschen angeboten. Damit werden ihnen in symbolischer Form die christlichen Grundwerte vermittelt. Diese können ihnen als Basis für den Aufbau einer individuellen Wertekompetenz dienen.

Jahreszeitenfeste im Kindergartenjahr

September/Oktober Michaeli und Ernte-Dank-Fest
November St. Martin und Laternenumzug
Dezember Adventsgärtlein, Adventzeit
Januar Heilig-Drei-Könige
Februar Fasching
März/April Ostern
Mai Himmelfahrt und Pfingsten
Juni Johanni
Juli Sommerfest und Verabschiedung der Vorschulkinder

Spiel und Bewegung

Kinder sollen sich mit allen Sinnen erleben, mit dem ganzen Körper bewegen, mit Händen und Füßen tätig sein, ihre Umwelt er- und begreifen. Aus diesem Grunde ist das Spielmaterial in unserem Kindergarten einfach und vielfältig: Körbe mit Kastanien, Steinen oder Aststückchen - selbst im Wald gesammelt. Naturgefärbte Spieltücher und Spielständer, Bänder, einfache Puppen, gestrickte Tiere. Nichts ist fertig, alles kann und darf sich verändern. Von einem Augenblick zum nächsten wird ein Stückchen Holz, gerade noch als Bügeleisen dringend benötigt, zum Telefon. Die Spielkräfte der ersten Kindheit verwandeln sich zu freien schöpferischen Kräften, Phantasie und Kreativität. Im freien Spiel greifen die Kinder das täglich Erlebte auf und bauen es phantasievoll aus. Daher wird im Waldorfkindergarten großer Wert darauf gelegt, der Entfaltung des Spiels Raum und Zeit zu geben. Durch die ErzieherInnen wird ein Umfeld geschaffen, in dem die Kinder konzentriert und ausdauernd tätig sein und ihre Umwelt sinnlich „begreifen“ können. Die Erzieherinnen beobachten sowohl die Gruppe wie auch jedes einzelne Kind dabei sehr genau, sie hören zu, fördern die Eigeninitiative der Kinder, ermutigen und bestätigen sie. Sie lassen sich auf kindliche Spielideen ein und helfen, diese umzusetzen und weiter zu entwickeln. Großer Wert wird weiterhin auf die Ausbildung von Körper- und Bewegungskompetenz gelegt. Traditionelle Handarbeiten begleiten die Kinder durch ihre Kindergartenjahre: Weben, Nähen und Plastizieren fördern die feinmotorische Entwicklung und bereiten optimal auf spätere Kulturfertigkeiten wie zum Beispiel das Schreiben vor. Die grobmotorische Bewegung findet ihren Raum einerseits in Alltagsspielen, wie Klettern, Rennen, Hüpfen, Bauen und andererseits in der Eurhythmie und dem Reigen.

Naturerleben

Der tägliche Gang in den Garten, Waldtage und Spaziergänge bietet den Kindern bei jedem Wetter das reiche Erleben der Natur. Neben jahreszeitlich anfallenden Arbeiten im Garten erleben die Kinder den Jahreslauf unmittelbar in der Natur und es bleibt immer Zeit für Entdeckungen und Experimente mit den Elementen. Dies entspricht auch dem Bildungsgrundsatz einer naturwissenschaftlichen Kompetenz.

Vorbild und Nachahmung

Das kleine Kind nimmt ungefiltert alles auf, was in ihrer Umgebung gesagt, getan, gedacht und gefühlt wird. Daher achten die ErzieherInnen stets darauf, dass die Kinder vernünftige und liebevoll ausgeführte Handlungen erleben können, als nachahmenswerte Anregung für das eigene Tun. Die ErzieherInnen arbeiten sichtbar und durchschaubar vor den Augen der Kinder: kochen, nähen, reparieren an der Werkbank, pflanzen und jäten im Garten, ordnen und pflegen den Raum. Sinnvolle Aufgaben sind es, die im Kindergarten anfallen, nicht künstlich ausgedachte. Hierin wird die besondere Bedeutung der Selbsterziehung der Pädagogen deutlich, die Rudolf Steiner so formulierte: „Alle Erziehung ist letztendlich Selbsterziehung“.

Sprachkompetenz

Kinder dürfen sich spielend der Sprache nähern und sich in ihr beheimaten. Umgesetzt wird dies durch gute sprachliche Vorbilder, eine deutliche, wortreiche und bildhafte Sprache, die der Altersstufe angemessen ist. Anspruchsvolle, kindgerechte und jahreszeitliche Lieder, Verse und Reime im Reigen und Alltag, Fingerspiele, fach- und sachgerechtes Benennen der Gegenstände (z.B. der Namen von Pflanzen und Tieren), das sich täglich wiederholende Erzählen oder Vorlesen von sinnvollen Geschichten, Märchen, Kinder aussprechen lassen und sich Zeit zum Zuhören nehmen – daraus entsteht Sprachkompetenz, Lesefreude und Lesefähigkeit.

Medienkompetenz

Medienkonsum – insbesondere Bildschirmmedien, aber auch Radio und CD-Musik zwingen die Kinder in eine Passivität und verhindern, dass sie sich bewegen. Hilflos sind sie den zahllosen Eindrücken ausgesetzt, deren Geschwindigkeit sie nichts entgegensetzen können und mit denen sie sich nicht aktiv verbinden können. Damit ist Medienkonsum ganz unabhängig vom Inhalt schädlich für die kindliche Entwicklung, die auf Bewegung und Selbsterfahrung gründet. Wir möchten die Kinder in ihren Bewegungsmöglichkeiten fördern, ihre Wahrnehmung stärken und die Ausbildung der Sinnesorgane fördern. Medienkompetenz erlernt das kleine Kind nicht am Gerät sondern durch die Erfahrung seiner selbst.

Kind-Erzieherin Beziehung

(Umsetzung der Beteiligungs- und Beschwerderechte von Kindern)

Mit der persönlichen Begrüßung am Morgen wird die Aufmerksamkeit auf jedes einzelne Kind gelegt un die Befindlichkeit wahrgenommen. Wir unterstützen die Kinder dabei Empfindungen, Gedanken und Ideen im Morgenkreis, bei Konflikten, bei Projekten, im Alltag oder beim gemeinsamen Tun auszudrücken und Empathie zu entwickeln. Themen und Interessen der Kinder werden im pädagogischen Alltag im Reigen, in den Geschichten und den Tätigkeiten aufgegriffen und vertieft.

Durch die gemeinsame Gartenzeit aller Gruppen findet ein gruppenübergreifender Austausch zwischen den Kindern statt und eine gruppenübergreifende Wahrnehmung der Kinder durch die Erzieherinnen. Die Kinder kennen alle Erzieherinnen des Hauses und haben über ihre eigenen Gruppenerzieherinnen hinaus die Möglichkeit, vertrauensvolle Beziehungen zu Erwachsenen aufzubauen. Die Erzieherinnen arbeiten in gemeinsamen pädagogischen Konferenzen in hohem Maße reflektiv mit den Beobachtungen, die an den Kindern gemacht werden.

Erziehungspartnerschaft

Unsere Arbeit basiert auf einer Erziehungspartnerschaft zwischen ErzieherInnen und Eltern. Mindestens zwei Mal im Kindergartenjahr finden deshalb Gruppenelternabende statt, die pädagogische Inhalte zu unserer Arbeit aber auch organisatorische Belange behandeln. In Gesamtelternabenden, die ebenfalls mindestens zwei Mal pro Kindergartenjahr stattfinden, referieren Pädagogen, Mediziner, Sprachtherapeuten, Eurythmisten u.v.a. zu pädagogischen Themen. Darüber hinaus führen wir mit allen Eltern je Kindergartenjahr ein Elterngespräch, um über das Kind, seine Entwicklung und Erziehung in engem Austausch miteinander zu sein. Schließlich pflegen wir die Tradition der Hausbesuche, so dass, auf freiwilliger Basis, jedes Kind in seiner Kindergartenzeit einmal von seinen ErzieherInnen besucht werden kann. Unsere Arbeit basiert zum Wohle des Kindes auf einer Erziehungspartnerschaft, die wir ernst zu nehmen wissen.